Ein seltenes und monumentales Stück Wissenschaftsgeschichte soll auf den öffentlichen Markt kommen. Sotheby’s London hat angekündigt, dass ein riesiges Messingastrolab aus dem 17. Jahrhundert – einst ein wertvoller Besitz der königlichen Familie von Jaipur – am 29. April versteigert wird.
Dieses Instrument wird auf 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund geschätzt und ist nicht nur ein Relikt; Es handelt sich um ein Meisterwerk der Präzisionstechnik, das als „Hightech“-Gerät seiner Zeit galt.
Das „Smartphone“ des 17. Jahrhunderts
Für einen modernen Beobachter mag ein Astrolabium wie eine einfache dekorative Scheibe aussehen. Im 17. Jahrhundert funktionierte es jedoch ähnlich wie ein modernes Smartphone. Durch die Verwendung seiner vielschichtigen, ineinandergreifenden Komponenten können Benutzer eine Vielzahl komplexer Berechnungen durchführen.
Laut Dr. Federica Gigante vom Oxford Centre for History of Science, Medicine and Technology ermöglichten diese Geräte den Benutzern:
– Bestimmen Sie die Zeit von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.
– Berechnen Sie die Höhe von Gebäuden oder die Tiefe von Brunnen.
– Entfernungen messen.
– Kartieren Sie die Sterne und bestimmen Sie die Richtung von Mekka.
– Sagen Sie Himmelsbewegungen voraus und stellen Sie sogar Horoskope auf, wenn Sie es zusammen mit einem Almanach verwenden.
Im Wesentlichen fungierte das Astrolabium als zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Universums und bündelte riesige astronomische Daten in einem tragbaren Handgerät.
Ein Meisterwerk der „Lahore-Schule“
Dieses spezielle Instrument ist aufgrund seiner Größe und Herkunft außergewöhnlich. Es wurde im frühen 17. Jahrhundert in Lahore (dem heutigen Pakistan) von den berühmten Brüdern Qa’im Muhammad und Muhammad Muqim hergestellt. Sie waren führende Persönlichkeiten der „Lahore School“, einem prestigeträchtigen Zentrum des Handwerks, in dem technische Präzision und künstlerische Eleganz nahtlos miteinander verbunden waren.
Während die meisten Astrolabien dieser Zeit funktionelle Werkzeuge waren, stellt dieses Stück den Höhepunkt der Wissenschaft und Kunst der Mogulzeit dar:
– Beispiellose Größe: Mit einem Gewicht von 8,2 kg und einer Höhe von 46 cm ist es fast viermal so groß wie ein typisches indisches Astrolabium aus dieser Zeit.
– Extreme Präzision: Das Gerät verfügt über Gradteilungen, die bis auf ein Drittel Grad unterteilt sind, was unglaublich genaue Himmelsmessungen ermöglicht.
– Aufwendiges Detail: Die Messingscheibe ist mit 94 Städten beschriftet, jede mit genauen Längen- und Breitengraden angegeben, und verfügt über 38 Sternzeiger, die mit zarten Blumenmustern verziert sind.
Königliche Provenienz und historischer Kontext
Die Reise des Instruments durch die Geschichte trägt zu seinem Reiz bei. Es wurde ursprünglich von Aqa Afzal, einem hochrangigen Mogul-Adligen persischer Herkunft, in Auftrag gegeben. Später wurde es Teil der königlichen Sammlung des Maharaja Sawai Man Singh II von Jaipur. Nach dem Tod des Maharadschas ging es an seine Frau, die berühmte Maharani Gayatri Devi, bevor es schließlich in eine Privatsammlung gelangte.
Die Existenz eines solch opulenten und präzisen Geräts unterstreicht die hochentwickelte wissenschaftliche Kultur der Mogulhöfe, wo die Herrscher aktiv Fortschritte in der Astronomie und Astrologie förderten, um den Himmel besser zu verstehen.
„Es ist nicht nur groß, schön und schwer, es ist auch so unglaublich genau, dass es Ihnen den genauen Höhengrad [eines Himmelskörpers] anzeigt“, bemerkt Dr. Gigante.
Fazit
Diese Auktion stellt eine seltene Gelegenheit dar, ein herausragendes Artefakt der Wissenschaftsgeschichte zu erwerben. Aufgrund seines makellosen Zustands, seiner immensen Ausmaße und seiner Verbindung zum Königshaus von Jaipur wird das Astrolabium voraussichtlich ein Herzstück für große Museen und Elite-Sammler sein.
